Afghanistan ist eines der unfriedlichsten Länder der Welt. Krieg und Unruhen sind für Afghanen Alltag. Zusätzlich sind in dem Binnenstaat Frauen noch immer rechtlich viel schlechter gestellt als Männer. Viele Mädchen werden insbesondere aufgrund der herrschenden Armut oftmals zwangsverheiratet. Frauen sind auch heute noch vielfach der Willkür von Männern ausgeliefert. In der von Männern dominierten Gesellschaft liegt die Frauenarmut deutlich über der von Männern. Dies sind keine rosigen Aussichten für Menschen.

Die 1988 geborene Shamsia Hassani erstellt Kunst, um den Menschen in dem von Kriegen und Konflikten gebeutelten Land ein wenig Hoffnung  zu geben. Dazu wählt sie einen in der westlichen Welt geläufigen aber in Afghanistan eher unüblichen Kanal: Streetart und 3D Graffities. „Art can change people’s minds. People’s minds can change society“, ist ein Ausspruch der Kabulerin, der ihre Motivation ausdrückt.

Mit den Graffities begann Shamsia 2010 – inspieriert durch einen Workshop des britischen Künstlers Chu in Kabul. Vorangegangen war ein Studium der feinen Künste an der Universität Kabul, wo sie 2009 beim 2. Wettbewerb für Zeitgenössische Kunst zu den 10 einflussreichsten Künstlern Afghanistans gewählt wurde.

Shamsia bedeutet Sonne und ein bisschen Sonne möchte sie den Menschen mit ihren Kunstwerken ins Herz pflanzen. In Afghanistan gibt es nur wenige Museen. Die durchschnittliche Bevölkerung betritt diese nur sehr selten. Ihre Wahl, die Straße als Kunstplattform zu benutzen erscheint in diesem Lichte sehr passend.

Doch Streetart ist in Afghanistan – anders als bei uns – keine verbreitete Kunstform. Während hierzulande wohl vor allem die Polizei eine Gefahr für Sprayer darstellt, sind es in Kabul konservative Männer, die sich nicht immer nur mit abfälligen Bemerkungen begnügen.

Shamsias Graffities sind keine Schmierereien, wie sie leider oft auf Deutschlands Straßen zu finden sind. Shamsia erstellt künstlerische Meisterwerke ähnlich, wie der englische Künstler Banksy. Mit diesem würde sie in Zukunft auch gerne einmal zusammenarbeiten was aufgrund der politischen Nachrichten, die beide verbreiten möchten, bestimmt eine spannende Aktion wäre.

Durch die Graffities zieht sich das Motiv der jungen afghanischen Frau. Shamsia verbindet in ihrer Kunst die Lebensrealität junger Afghaninnen mit ihren Wünschen und Hoffnungen hin zu mehr Freiheit und einer offeneren Gesellschaft. Shamsia möchte einen Wandel des Frauenbildes anstoßen und dabei zuallererst die Selbstsicht der Frauen mit ihren Bildern verändern. Shamsia ist eine politische Aktivistin.

Ihre Hauptfigur trägt Hijab oder Burka, die noch stärkere Verschleierung. In ihrer Kunst zeichnet sie bewusst prächtigere und modernere Hjabs und Burkas, als sie die typische Afghanin auf der Straße trägt.  Ein von ihr oft gewähltes Motiv sind Musikinstrumente. Musik drückt für Shamsia Glück und Freiheit aus.

Durch die gestiegene Präsenz in der Öffentlichkeit hat Shamsia viele nicht nur weibliche Afghanen dazu ermutigt, ihre Kreativität offen auszuleben. Insbesondere in dem andauernd durch Anschläge und kriegerische Konflikte bestimmten afghanischen Alltag kann Kunst dazu beitragen, die Hoffnung in den Menschen wieder zu erwecken.

Heute ist Shamsia selbst Professorin an derUniversität Kabul. Ihrer Leidenschaft und Mission, auch den Menschen außerhalb der Universität Kunst näher zu bringen wird sie dennoch hoffentlich noch lange folgen!

 

Quellen:

  • DAS FRAUENBILD IN AFGHANISTAN UND DEUTSCHLAND IM VERGLEICH
    Ein Projekt von Studierenden der Universität Augsburg, aufgerufen am 12.11.2017

    • https://frauenbildvergleich.wordpress.com/theoretischer-hintergrund/das-frauenbild-in-afghanistan/
  • Website von Shamia Hassani, besucht am 12.11.2017
    • http://www.shamsiahassani.com/
  • Shamsia Hassani: ‘I want to colour over the bad memories of war’, 17.9.2014
    • https://www.theguardian.com/artanddesign/2014/sep/17/shamia-hassani-i-want-to-colour-over-the-bad-memories-of-war
  • autopsi-art: Interview : Shamsia Hassani, besucht am 12.11.2017
    • http://www.streetartbio.com/shamsia-hassani-interview
  • Wikipedia, Shamia Hassani, aufgerufen am 12.11.2017
    • https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Shamsia_Hassani&oldid=797708885
  • Kabul Art Project, Shamsia Hassani, 2013, besucht am 12.11.2017
    • http://www.kabulartproject.com/artists/shamsia-hassani/
  • Urbanshit, Urban Talk with Graffiti Artist Shamsia Hassani from Kabul, 8.1.2014, besucht am 12.11.2017
    • http://urbanshit.de/5-questions-to-graffiti-artist-shamsia-hassani-from-kabul/

Über den Autor

Marc-Oliver
Pro-News Autor / Fotograf / Informatiker

Marc-Oliver ist gerne kreativ und lebt dies in der Informatik, beim Fotografieren, beim Kochen und beim Erschaffen von Kunst aller Art aus. Marc-Oliver arbeitet gerne und viel mit Jugendlichen in ihrer Ausbildung zu Informatikern. Er arbeitet an der Technischen Universität München. Dort entwickelt und erprobt er neue Lehrformate und arbeitet daran, dass wir in Zukunft nicht nur unser Smartphone mit neuen Apps verändern können sondern auch unsere physischen Umgebungen, die zu so genannten Smart Spaces werden.

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