Die so genannte digitale Transformation ist in aller Munde. Das Wort soll ausdrücken, dass Computer aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Doch was bedeutet es konkret, wenn Menschen Teil von digitalen Prozessen im Computer werden? Das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe widmet sich genau dieser Frage in seiner noch bis Anfang Januar 2019 laufenden Ausstellung „Living in Digital Worlds – Open Codes“.

Olivia und ich hatten die Chance, am letzten Freitag sowohl mit dem Leiter des ZKM, Peter Weibel, und einem der hauptbeitragenden Künstler zur Ausstellung, Bernd Lintermann zu sprechen, und die Ausstellung zu besuchen. Solltet Ihr in die Nähe von Karlsruhe kommen, legen wir Euch einen Besuch im ZKM und insbesondere in der Ausstellung „Open Codes“ sehr ans Herz. Warum? Dazu gleich mehr im Text. Außerdem findet Ihr unten ein Video von unserem Besuch.

Die Ausstellung beginnt mit einer Transformation von der physikalischen Welt hin zur digitalen Welt. Die Installation trägt den Namen „You:R:Code“. Dazu gibt es zunächst einen Spiegel, der die Natur abbildet. Als Nächste folgt ein gleichgroßer Monitor mit einem halbdurchlässigen Spiegel. Der Spiegel reflektiert wieder die Realität. Zusätzlich generiert ein Computer aus Tiefeninformationen eine Punktwolke, die ebenfalls die Realität wiedergibt. Physikalische und virtuelle Realität sind recht nahe beieinander.

Der nächste Bildschirm bricht diese Kongruenz. Der Computer scannt ein Bild der Betrachter und rendert es aus anderer Perspektive im Raum. Das Bild des Computers ist damit viel mehr als ein Spiegel. Es ist verarbeitete Realität. Auf dem nächsten Bildschirm wird mein Körper durch die Buchstaben AGCT, die für die biologischen Bestandteile des Lebens (DNA) stehen, modelliert. Der Computer beginnt, meine Zusammensetzung zu analysieren.

Auf dem nächsten Monitor bestehe ich aus Barcodes. Jeder Code steht zugleich für ein bedeutendes literarisches Werk, wie Thomas Morus’ Utopia. Die Analyse meines Ich geht in die nächste Runde. Auf dem letzten Bildschirm schließlich bin ich nur noch als binärer Umriss aus weißen oder schwarzen runden Blättchen zu sehen. Meine Identität ist nur noch digital.

Ein tolles Kunstwerk, das den Übergang von der analogen, physischen Welt, in verschiedene Dimensionen der digitalen Welt fassbar macht.

Als Nächstes haben wir uns „Alphabet Space“ angesehen. In dieser Installation kann man ein Objekt in die Hand nehmen. Das Objekt ist dreidimensional. An der Wand ist ein Alphabet abgebildet, dass genau der zweidimensionalen Projektion des dreidimensionalen Gegenstandes entspricht. Es wird als der Schatten des dreidimensionalen Objektes auf eine Wand vom Computer angeschaut. Je nachdem, wie wir das Objekt gedreht haben, konnten wir die Buchstaben des Alphabets auswählen. Das war gar nicht so einfach, weil das echte Objekt zwar gleich aussah, wie das auf dem Monitor dargestellte, aber in seiner Lage unterschiedlich war. Olivia hat sich aber sehr wacker geschlagen und einige Buchstaben erfolgreich ausgewählt.

Dieses Kunstwerk zeigt toll die Bedeutung von Zeichen auf. Erst durch entsprechende Konventionen und Konsens werden aus Formen Zeichen.

Unsere dritte Station waren „Three Phases of digitalization“. Dieses Kunstwerk zeigt, dass die physikalische Welt und die digitale Welt unterschiedliche Perspektiven auf das Gleiche erlauben. Konkret gibt es dort Bücher, die aber keinen Text sondern nur Marker beinhalten. Wenn man die Bücher auf den Tisch legt, kann man auf dem Bildschirm ein digitales Abbild des auf dem Tisch liegenden Buches sehen, auf dem die Marker aber durch den eigentlich erwarteten Text ersetzt sind. Das Kunstwerk spielt dabei mit den Erwartungen. Nicht das physikalische Objekt beinhaltet den erwarteten Text sondern sein digitales Abbild.

Eine weitere Dimension des Kunstwerks ist, dass an die Wand zwar das Bild projiziert wird, dieses aber mit dem menschlichen Auge zunächst nicht sichtbar ist. Erst durch einen auf einer Glasscheibe angebrachten Polfilter wird dieses sichtbar. Dies zeigt, dass nicht alles so sein muss, wie es scheint. Eine scheinbar nur angeleuchtete Fläche kann unter der richtigen Analyse plötzlich Information beinhalten. Interessanterweise findet die Analyse hier analog mithilfe des Polfilters statt.

Als vierte Installation haben wir uns eine Virtual Reality (VR) Installation angeschaut. Nach dem Aufsetzen der VR-Bille sehen wir die Umgebung des Raumes… allerdings mit anderen Elementen. Wir sind Teil der Computersicht. Ein aufregender Aspekt dieser Installation ist, dass wir aufgefordert werden, durch Wände zu gehen. Die Wände sind zwar nur virtuell aber die Angst vor dem Aufprall ist trotzdem da und so kostet es einige Überwindung durch die Wand in eine neue Sicht auf den Raum einzutauchen.

Insgesamt hat uns die Ausstellung super gefallen. Sie ist eine tolle Möglichkeit, eine ganz neue, unmittelbare Sicht auf Algorithmen und ihre Bedeutung in unser aller Alltag zu werfen. Viel Spaß mit dem Video!

Über den Autor

Marc-Oliver
Pro-News Autor / Fotograf / Informatiker

Marc-Oliver Pahl ist gerne kreativ und lebt dies in der Informatik, beim Fotografieren, beim Kochen und beim Erschaffen von Kunst aller Art aus. Marc-Oliver arbeitet gerne und viel mit Jugendlichen in ihrer Ausbildung zu Informatikern. Er arbeitet an der Technischen Universität München. Dort entwickelt und erprobt er neue Lehrformate und arbeitet daran, dass wir in Zukunft nicht nur unser Smartphone mit neuen Apps verändern können sondern auch unsere physischen Umgebungen, die zu so genannten Smart Spaces werden.

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